GfBS Gesellschaft für Biologische Systematik

Treffen der AG Kuratoren

Hier finden sich die Berichte und Informationen zu den vergangenen Kuratorentreffen. Aktuelle Informationen für zukünftige Treffen werden über die Mailingliste der AG Kuratoren kommuniziert.

Dieses Jahr stand das Treffen der AG Kuratoren der GfBS unter dem Titel: "Access and Benefit Sharing and other legal aspects of international material transfer". Dieses Thema spiegelt die zunehmende Bedeutung von Regularien aller Art für die Arbeit der an Museen tätigen Kuratoren naturhistorischer Sammlungen wider. Allein durch den Versand von Material, um den es bei dem Treffen ging, werden die Rechtsbereiche Veterinär- bzw. Pflanzenschutz-, Artenschutz- und Zollrecht, "Access and Benefit Sharing" (wird derzeit implementiert) sowie die Gefahrgutauflagen im internationalen Luftverkehr berührt. Das Treffen selber erfolgt, wie die vorhergehenden, in der Tagungssprache Englisch und war öffentlich. Dieses Vorgehen hat sich in den vergangenen Jahren als sinnvoll erwiesen, da die Teilnehmerzahlen nach zwischenzeitigem Rückgang so wieder auf ein erfreuliches Niveau gestiegen sind. Dieses Mal wurden 33 Teilnehmer, darunter eine Teilnehmerin aus Großbritannien, gezählt.

Das Treffen gliederte sich in drei Themenblöcke, die jeweils mit einem Vortrag vertreten waren. Zunächst gab Peter Giere (Museum für Naturkunde Berlin) einleitend einen allgemeinen Überblick, ergänzt durch Aspekte die beim internationalen Versand von naturhistorischen Objekten, die angesichts der gültigen europäischen und deutschen Artenschutzgesetze zu beachten sind. Dieser Vortrag mit dem Titel "Legal aspects of international specimen transfer – introduction and species protection" wird in Kürze ebenso wie die folgenden auf den Seiten der AG Kuratoren (http://kuratoren.gfbs-home.de/) zu finden sein, so dass hier nur auf wenige Aspekte der Präsentationen eingegangen wird. Neben der deutschen Naturschutzgesetzgebung mit der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV mit dem Besitz- und Vermarktungsverbot geschützter Arten) werden auf europäischer Ebene die nationalen Umsetzungen der EU Vogelschutzrichtlinie sowie die Fauna, Flora, Habitat Direktive angesprochen. Auf internationaler Ebene wird das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES mit seiner nicht deckungsgleichen Umsetzung auf EU- und nationaler Ebene erörtert.

Der zweite Vortrag widmet sich dem aus der Konvention für Biologische Vielfalt (1992) abgeleiteten und im Nagoya Protokoll (2010) spezifizierten multilateralen Abkommen über den Zugang zu genetischen Ressourcen (und traditionellem Wissen – hier ausgelassen) und dem gerechten Ausgleich der daraus entstehenden Vorteile ("Access and benefit sharing", ABS). Da die Autorin dieses Vortrages mit dem Titel "Access and Benefit sharing: the concept, its implementation and its relevance for research and collection management", Cornelia Löhne (Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin, BGBM), erkrankt ist, wird sie durch Dirk Neumann (Zoologische Staatssammlung München, Vortrag) und Peter Giere (Ergänzungen) vertreten. Grundlegende Änderungen der bisherigen Verfahrensweisen wird es hier beim Zugang zu genetischen Ressourcen geben, da diese nun dem nationalen Hoheitsrecht des Herkunftslandes unterliegen. Das Nagoya Protokoll fordert verbindlich, dass folgende zwei Verträge mit dem zuständigen "Focal Point", also der jeweils zuständigen Behörde, abgeschlossen werden müssen, wenn genetische Ressourcen exportiert und außerhalb seines Hoheitsgebiets "genutzt" werden sollen: "Prior Informed Consent" (PIC) und "Mutually Agreed Terms" (MAT). Durch diese Vereinbarungen wird der Rahmen der geplanten Nutzung des Materials sowie der Ausgleich der daraus eventuell entstehenden Vorteile (inklusive nicht-monetärer, wie Publikation) geregelt. Eine Weitergabe des Materials - oder Teilen davon, z.B. Gewebeproben – ist nur erlaubt, wenn dies in der ursprünglichen PIC vereinbart ist. Die nationalen und europäischen Gesetzgebungsverfahren zu ABS (= Zugang zu genetischen Ressourcen der jeweiligen EU-Mitgliedsstaaten und Nutzung von nationalen und internationalen Proben) sind weit fortgeschritten. Mit einer Umsetzung ist noch im laufenden Jahr zu rechnen. Leider beschränkt sich die Gesetzgebung nicht nur auf die kommerzielle Forschung, sondern schließt die nicht kommerzielle Grundlagenforschung mit ein – alles Sammlungsmaterial, das neu aufgesammelt wird, fällt unter die Definition der "genetischen Ressourcen". Durch deren breite Definition über "functional units of heredity" ist theoretisch ebenfalls wissenschaftliches Material anderer Disziplinen, wie etwa Bohrkerne oder Bodenproben, betroffen.

Ein möglicher Weg der vereinfachten Handhabung insbesondere beim Versand von Sammlungsmaterial wird derzeit von der CETAF Arbeitsgruppe zu ABS verfolgt, die in einem gemeinsamen Dokument die Grundlage für die Anerkennung als Best Practice gelegt hat, ähnlich dem bereits für den Austausch lebender Pflanzen zwischen Botanischen Gärten implementierten Netzwerk "IPEN". Mit einem Ausblick auf den deutschen Gesetzentwurf, der derzeit diskutiert wird, schließt dieser Vortrag.

Im letzten Vortrag wird der gesamte verbleibende Teil der für den Versand von Sammlungsmaterial relevanten Regularien behandelt. Dirk Neumann referiert in seinem Vortrag "Bon voyage? International exchange of scientific material, legal hurdles and other obstacles" über das neue Veterinärrecht der EU mit seinen auch durch seine mit der EU-Kommission erreichten Erleichterungen für fixiertes Sammlungsmaterial. Ebenfalls durch Verhandlungen von vornehmlich amerikanischen Kollegen ist vor wenigen Jahren die Ausnahmeregelung A180 der IATA erreicht worden. Diese sieht für Sammlungsmaterial, das im Luftverkehr transportiert wird, Ausnahmen von den "Dangerous Goods Regulations" der IATA vor, wenn Proben in einer geringen Menge Ethanol konserviert, in genau festgelegter Weise verpackt und deklariert sind. Ist dies der Fall, können Proben sogar im Handgepäck mitgeführt werden. Die dafür notwendige Fachkenntnis kann durch ein (Selbst-)Training durch bereits "geschulte" Mitarbeiter, die ebenfalls in Kürze auf den Seiten der AG Kuratoren zu finden ist, erlangt werden.

Daneben stellt er weitere Beispiele mit falschen oder unvollständigen Versanddokumenten vor, die dadurch beim Zoll hängen geblieben sind. Durch viel Hintergrundwissen führt er hier die Fallstricke des Zollrechts an konkreten Beispielen vor (wie 1. dem Herkunftsland, das nicht das Land, in dem das Material gesammelt wurde sondern das Land, in dem es aufbewahrt wird, meint, 2. dem deklariertem Wert, der für den Zoll allein durch den Wert des Verpackungsmaterials nicht mit "Null" sondern mit einem kleinen Wert angegeben werden sollte oder 3. der Adresse, in der das Institut als Adressat in der ersten Zeile stehen sollte und nicht der Empfänger), und erläutert anhand einer Musterdokumentation, die er ebenfalls in Kürze auf den Seiten der AG Kuratoren zur Verfügung stellt, wie man diese Hürden leicht umgeht.  

In einer abschließenden Diskussion aller Beiträge wird hauptsächlich die Problematik von ABS für die Arbeit in naturhistorischen Sammlungen thematisiert. Hier gibt es das grundsätzliche Dilemma, dass die Sammlungen das Vorgehen gegen Biopiraterie begrüßen, sich trotzdem durch die neuen Gesetze in einem Boot mit der kommerziellen Forschung wiederfinden. Auch werden zunächst Zweifel geäußert, dass die Museen in der Lage sein werden, diese Bedingungen gänzlich zu erfüllen und die Alternative diskutiert, in manchen Ländern aufgrund fehlender ABS-Infrastruktur nicht mehr forschen zu können. Beides wird verworfen und der Begriff der "functional units of heredity" noch einmal geklärt – das Sammlungsmaterial ist trotz strenggenommen nicht enthaltener funktionaler genetischer Einheiten in den Gesetzgebungen eingeschlossen. Zunächst kann nur eine umfassende und gründliche Dokumentation – auch im Fall, dass ein Herkunftsland keine ABS Infrastruktur / Gesetzgebung hat – eine gewisse rechtliche Sicherheit bringen. Auch wird auf den durch den zusätzlichen Dokumentationsaufwand entstehenden finanziellen Aspekt hingewiesen, der für die Erfüllung von CBD/ABS benötig wird. Beide Redner weisen auf ein langsam einsetzendes Bewusstsein für diese Problematik bei Entscheidungsträgern und sogar in den Medien hin, u.a. in einem Artikel in der "Zeit" der vorangegangen Woche, der das Dilemma der Naturhistorischen Museen thematisiert. Auch finden sich mittlerweile schon Berichte über bereits bestehende Auswirkungen von ABS auf die Forschung in Herkunftsländern – auch für Wissenschaftler aus diesen Ländern – in der wissenschaftlichen Literatur. Die am Vortag eingereichten Stellungnahmen der Naturkundlichen Museen über die DNFS und der Leibniz Gemeinschaft sowie dem VBio zu dem Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit weisen ebenfalls auf die genannten Punkte hin.

Der letzte Teil des Treffens betrifft die interne Zusammenkunft der AG Kuratoren, in dem kurz über die Aktivitäten berichtet wird, wie etwa dem Workshop der Herbarkuratoren zur Sammlungserfassung, -digitalisierung und -vernetzung am BGBM im November 2013, der von Sabine von Mering (BGBM) angeregt und organisiert wurde (siehe Bericht in diesem Newsletter). Peter Giere stellt zur Diskussion, ob weitere Workshops etwa zu speziellen Methoden wie Micro-CT im Rahmen künftiger Tagungen (z.B. GfBS, SPNHC) wünschenswert wären, was grundsätzlich begrüßt wird. Ergebnisse solcher Workshops könnten z.B. in einem Reader zusammengefasst und veröffentlicht und deren Ausrichtung gegebenenfalls durch die GfBS finanziell unterstützt werden. Themenvorschläge (z.B. spezielle Methoden) sollten an Peter Giere geschickt werden.

Bei den Wahlen zum Sprecher / Stellvertreter der AG Kuratoren werden die Kandidaten Peter Giere (Sprecher) und Peter Michalik (Zoologisches Institut und Museum, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifwald, Stellvertreter) mit 6 Stimmen bei einer Enthaltung (Sprecher) bzw. 7 Stimmen ohne Enthaltung (Stellvertreter) bei keiner Gegenstimme im Amt bestätigt. Beide möchten sich auf diesem Weg für das Vertrauen bedanken.

 

P. Giere, M. Päckert, D. Neumann

Das Treffen der AG Kuratoren fand in diesem Jahr am 23 Februar zum Thema "Digitization of collection material - concepts, data and implications" statt. Wie im letzten Jahr fand es nicht unmittelbar vor der Jahrestagung der GfBS sondern während des regulären Programms statt und war für nicht Mitglieder dieser Gruppe geöffnet, so dass alle an der Thematik interessierten Tagungsteilnehmer diese Veranstaltung besuchen konnten. Die Teilnahme von mehr als 30 Personen an dieser Veranstaltung belegt den Vorteil dieser Änderungen. 

Drei Vorträge waren angekündigt, mit einer anschließenden gemeinsamen Diskussion. Die Einführung von Peter Giere (Museum für Naturkunde Berlin) unter dem Titel "Digitization of collection objects: an introduction" erläuterte verschiedene Digitalisierungstechniken sowohl in zwei als auch in drei Dimensionen, neuere Stacking Technik und Volumen Daten bei (µ)CT oder MRT. Zudem gab es einen kleinen Exkurs zum Urheberrecht in Deutschland und im internationalen Kontext. Anschließend wurden verschiedene Fallbeispiele durch Alexander Kroupa (Museum für Naturkunde Berlin) unter dem Titel "Digitisation of entomological collections – Three approaches at the Museum für Naturkunde Berlin" vorgestellt. Diese beinhalten zunächst ein Projekt zum "Crowd Sourcing", in dem online freiwillige Hilfe bei der Lesbarmachung digitalisierter Sammlungskataloge genutzt wird. Diesem folgte die Vorstellung der Digitalisierung von Insektenkästen mittels eines Sat-Scan Gerätes. Hier werden Insektenkästen über Teilfotos und mit durch Stacking verbesserter Tiefenschärfe als ganzes digitalisiert so dass man im fertigen Produkt über eine Zoomify Funktion in das bis zu 400 GB große Digitalisat hineinzoomen kann. Ein weiteres Projekt betrifft die Digitalisierung eines entomologischen Typusexemplars in einer 360° Ansicht, die über ca. 2500 zusammengefügten Fotos erstellt wird. Mit dieser in der Entwicklung befindlichen Technik werden selbst feine Details auf der Oberfläche dieses Objektes erfasst. Vor einer gemeinsamen Diskussion wurden von Emmanuel Gilissen aus dem Royal Museum of Central Africa in Tervuren unter dem Titel "Scanned museum collections and data sharing, some suggestions for best practice" Vorschläge zum Datenverbleib und der Datenweitergabe bei der Erhebung von dreidimensionalen Daten, insbesondere µCT-Scans vorgestellt. Am Beispiel von Primatencranien schlägt er vor, dass die von externen Forschern erhobenen Daten nur für den eigenen Gebrauch gedacht sind, dass das Ursprungsmuseum bei Publikationen in Material und Methoden sowie in der Danksagung erwähnt werden sollte, eine Kopie der Daten erhält um sie zu besitzen und im Einvernehmen mit dem sie generierenden Wissenschaftler anderen Interessenten projektbasiert zur Verfügung zu stellen. Hierbei schlägt Gillissen eine mögliche zeitlich begrenzte exklusive Nutzung der Daten durch den sie generierenden Forscher vor. 

In einer allgemeinen Diskussion wurden die im letzten Vortrag beschriebene Problematik aufgegriffen und auf den Umgang mit der Datenbank MorphDbase erweitert. Auch hier gilt, dass die Verbindung zwischen objektbezogenen Bilddaten und Objekt erhalten bleiben muss. Dies bezieht sich nicht nur auf 3D Daten sondern auch auf zweidimensionale Repräsentationen, wie von einem Kollegen aus Bonn angemerkt wurde. Zur Vorstellung eines Projektes von Alexander Kroupa zur Einbeziehung von Bürgern ("Citizen Science") im Bereich der Sammlungskatalogserfassung wurde angemerkt, dass in Wien teilweise ehrenamtliche Mitarbeiter bei der Entschlüsselung von Etiketten mithelfen. Auch wurde auf die Möglichkeit der Vergabe eines DOI hingewiesen, um die Verbindung der Datei zum Objekt zu gewährleisten, worauf kurz das Projekt des "MuseumID" aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg vorgestellt wurde. Zum Schluss wurde noch einmal auf den enormen Aufwand durch die Digitalisierung hingewiesen und Strategien an den verschiedenen Häusern diskutiert. Einerseits müssen Prioritäten, wie etwa die Digitalisierung von Typusmaterial, gesetzt werden, andererseits erhöht die Digitalisierung und Veröffentlichung im Netz, so auch von Insektenkästen mit unidentifiziertem Material, die Sichtbarkeit und somit die Nutzung der Sammlung. In manchen Herbarien wird eine Gesamterfassung angestrebt und ist, wie beispielsweise in Wien, schon weit gediehen.

Nach diesem öffentlichen Teil wurde in einem kurzen geschlossenen Teil der Sprecher Peter Giere und der Stellvertreter Peter Michallik (Zoologisches Museum, Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald) durch die AG Kuratoren bestätigt und der Sprecher wurde am folgenden Abend in der Mitgliederversammlung der GfBS bei einer Enthaltung wiedergewählt. 

Im Rahmen der BioSystematics Berlin 2011, die gleichzeitig die 12. Jahrestagung der GfBS darstellte, fand das 12. Treffen der AG Kuratoren am Mittwoch, dem 23. Februar 2011 statt. Nachdem das vorangegangene Treffen in Leiden mangels Teilnehmern ausgefallen war, wurde für die Neuauflage eine neue Form dieses Treffens ausprobiert. Diese Entscheidung wurde durch die Terminierung eines an die Tagung angehängten KUR-Symposiums bestärkt, da dieses zum bisherigen Termin des Kuratorentreffens vor dem Ice-breaker der GfBS Jahrestagung stattfand. Daher wurde das Treffen der AG Kuratoren in Form eines regulären Symposiums während der Tagung durchgeführt, das allen interessierten Personen offen stand und in der Tagungssprache Englisch abgehalten wurde. Das Symposium befasste sich mit der Notfallplanung in Museumssammlungen, wobei die vier z.T. aufeinander aufbauenden Vorträge einen guten Einblick in die komplexe Problematik gaben. Peter Giere (Museum für Naturkunde Berlin) gab eine Einführung in die Thematik der Notfallplanung mit vielen Beispielen aus den verschiedenen Gefahrenquellen (Krieg und innere Unruhen, Erdbeben / Erdrutsche und strukturelle Instabilität, Feuer, Wasser und Stürme). Aktuellstes Beispiel war das des Erdbebens in Christchurch, das sich erst am Tag vor dem Symposium ereignete, aber worüber es über die NHCOLL-Liste schon Informationen bezüglich des Canterbury Museums (stark betroffen) und des Herbars (ohne größere Schäden) gab. Es wurde weiterhin die Grundlage des Schutzes von Kulturgut, zu dem laut Haager Konvention auch die wissenschaftlichen Sammlungen zählen, vorgestellt, und weitere Informationsquellen genannt (Veröffentlichungen, Weiterbildung etc.). Diese Einführung zeigte die reale Gefahr durch größere Katastrophen oder kleinere Havarien für Museumssammlungen auf und belegte die Notwendigkeit, für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Für diesen Fall gab es im zweiten Vortrag von Clare Valentine (Natural History Museum, London) praktische Hinweise zum Erstellen eines Notfallplans und dessen praktische Umsetzung z.B. in Übungen. Dieser Vortrag veranschaulichte die Erstellung solcher Pläne, die auch Bestandteil von Synthesys Network Activity C (Entwicklung eines Rahmenplans für Museen) sind. In einer Übersicht wurde dargestellt, was vor, während und nach einem Notfall geplant und durchdacht werden muss. Die Bedeutung der Zusammenarbeit innerhalb einer Institution aber auch zwischen Museen wurde dabei explizit hervorgehoben. Der dritte Vortrag von Hanna Pennock (Cultural Heritage Agency, Ministry Education, Culture and Science, Niederlanden) beschrieb die Aktivitäten der Niederländischen Behörde, die sich um den Schutz von Kulturgut allgemein kümmert. Dabei wurden neben der administrativen Herangehensweise (z.B. Bildung von zuständigen Regionen) auch praktische Aspekte wie das Sammeln von Schadensfällen in einer Datenbank oder die Zusammenarbeit mit den zuständigen Einsatzkräften behandelt. Vor allem in Notfallsituationen erwies sich eine solche Zusammenarbeit als äußerst wichtig, da durch die vorherige Abstimmung viel zur Verringerung des angerichteten Schadens beigetragen werden kann wie die Referentin eindrucksvoll anhand eingetretener Schadensfälle illustrierte. Im letzten Vortrag wurde von Christiane Quaisser (Museum für Naturkunde Berlin) und Clare Valentine (NHM) eine Initiative zur Erstellung einer Internetplattform für sammlungskonservatorische Belange als erste Schritte zu einem Europäischen Sammlungsmanager-Forum vorgestellt. Als Ergebnis einer Umfrage in EDIT wurde das Fehlen einer länderübergreifenden Plattform für den Austausch von sammlungskonservatorischem Wissen als Manko erkannt und in verschiedenen Vorbereitungstreffen eine Struktur einer solchen Plattform entwickelt. In Anlehnung an einen in London existierenden Sammlungsleitfaden soll diese Plattform sukzessive mit Erfahrungen und dem Wissen um den bestmöglichen Umgang mit Sammlungsgut, aber auch Sammlungsrichtlinien und Prozeduren, aufgebaut werden. Die Demoversion dieser Plattform ist bereits in einzelnen Bereichen mit Einträgen versehen und soll nach weiterer Bearbeitung baldmöglichst online gehen und offen für alle interessierten Personen sein. Diese sind herzlich eingeladen, an den Inhalten dieser Plattform mitzuarbeiten.

An das Symposium, das mit 17 Personen zumindest besser besucht war als das vorherige Treffen in Leiden, schloss sich das interne Treffen der AG Kuratoren an. Nach einer kurzen Diskussion über die zukünftige Form des Treffens ging es hauptsächlich um die Wahl des Sprechers und Stellvertreters. Nachdem Theo Michael Schmitt (Zoologisches Institut und Museum, Greifswald) für das Amt des Stellvertreters nicht mehr zur Verfügung stand – herzlichen Dank an Ihn noch einmal an dieser Stelle für seinen Einsatz in dieser Gruppe – stellte sich Peter Michalik als Kandidat für die Nachfolge vor. Peter Michalik ist Kurator am Zoologischen Museum der Universität Greifswald und forscht intensiv an Spinnentieren. Bei der Abstimmung der wenigen anwesenden Mitglieder dieser Gruppe entfielen jeweils 6 Stimmen bei je einer Enthaltung auf Peter Michalik (Stellvertretender Sprecher der AG Kuratoren) und Peter Giere (Sprecher der AG Kuratoren). Peter Michalik hat freundlicherweise gleich die Pflege der Webseite der Gruppe angeboten, was angesichts der bisherigen Vernachlässigung dieses Mediums einen überaus wichtigen Beitrag darstellt.

Trotz der Öffnung für alle interessierten Teilnehmer (mit Direktlink auf der Tagungshomepage) und trotz Werbung im Vorfeld ist es leider zu einer extrem niedrigen Teilnehmerzahl von drei bis vier Personen aus Leiden und Berlin gekommen -- so dass wir uns entschlossen haben, die Veranstaltung zunächst auf einen späteren Termin in der Tagung zu verschieben und schließlich für diese (von Kuratoren) nicht gut besuchte Tagung ganz abzusagen, zumal alle der anwesenden den Vortrag aus London in ähnlicher Form schon gehört hatten. Die Gründe für diese geringe Beteiligung, die sich auch genauso in der GfBS Mitgliederversammlung zeigte, sind in Leiden auf die Kombination von der hohen Tagungsgebühr und den ungünstigen Tagungstermin während der Urlaubszeit zurückgeführt worden, was im Fall der AG Kuratoren zudem durch die zeitliche Nähe zum SPNHC meeting (Society for the Protection of Natural History Collections) im Juli ebenfalls in Leiden noch verstärkt wurde.

Peter Giere

Direkt vor der Eröffnung der 10. Jahrestagung der GfBS im Rahmen der Konferenz "Systematics 2008" findet am 7. April 2008 das Treffen der AG Kuratoren zum Schwerpunktthema "Sammlungsschädlinge" mit ca, 20 Teilnehmern im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität Göttingen von 15.00 Uhr bis ca. 17:30 Uhr statt. Für die lokale Organisation möchten wir uns bei den Organisatoren dieser Tagung, insbesondere bei Simone Klatt, bedanken.

Nach einer Begrüßung durch den Sprecher der AG folgen vier Vorträge zu dem Themenschwerpunkt, die ergänzt durch einen weiteren Vortrag zu einer Kunstaktion im Berliner Museum für Naturkunde und dem Programmpunkt "Verschiedenes“ ergänzt werden. In lebhaften Diskussionsbeiträgen zwischen den Vorträgen erfolgt ein reger Erfahrungsaustausch.

Der Themenblock "Sammlungsschädlinge" wird durch einen gleichnamigen Überblicksvortrag von Peter Giere (Museum für Naturkunde, Berlin) eingeleitet. In diesem Vortrag wird die Thematik im konservatorischen Kontext eingeordnet und der aktuelle Stand der Technik erläutert. Neben dem Einsatz von Pestiziden werden physikalische Methoden der Schädlingsbekämpfung (thermisch, anoxische Umgebung) werden die Grundzüge des "Integrated Pest Management" als Methode der Präventiven Konservierung vorgestellt.

In einem Fallbeispiel schildert Monika Steinhof (Überseemuseum Bremen) anschließend sehr eloquent "Erfahrungen mit Begasungen in Herbar und Wirbeltiersammlung" als Bekämpfungsmaßnahme und zur Prävention von Sammlungsschädlingen in dieser Einrichtung.

Die letzten beiden Vorträge dieses Schwerpunktes greifen ineinander – sie zeigen die Möglichkeit einer thermischen Bekämpfung von Sammlungsschädlingen durch kontrollierte Wärmebehandlung auf. Zunächst erläutert Michael Schmitt (Museum Alexander König, Bonn) in seinem Vortrag "Bauliche Vorraussetzungen zur Schädlingsbekämpfung am ZMFK" während der Bauphase eines Neubaus vorgenommene Modifikationen als Vorbereitung für das von der Firma Thermo Lignum (Heidelberg, http://www.thermolignum.de/) entwickelte kontrollierte thermischen Verfahrens zur Schädlingsbekämpfung. Für die entomologische Sammlung des Zoologische Forschungsinstitutes und Museum Koenig wurde 2006 ein Neubau realisiert, der nach dem verstorbenen Direktor des Museums, "Claas M. Naumann Bau" benannt wurde. In dieses Neubauprojekt wurden Erkenntnisse zur Prävention von Schädlingsbefall bei der Planung einbezogen, die jedoch während der Rohbauphase modifiziert wurden. Aufgrund neuer Informationen über das von Thermo Lignum entwickelte kontrollierte Warmluftverfahren zur Beseitigung von Sammlungsschädlingen wurde in Abstimmung mit der Firma ein Plan entwickelt, über einen vorhandenen Lüftungsschacht und einen außenliegenden Kellerzugang die Möglichkeit einer externen Einspeisung von Heißluft mit kontrollierter Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten, so dass ganze Sammlungsräume ohne Gifteinsatz und ohne Gefahr für morphologische oder biologische Informationen des Sammlungsgutes von Sammlungsschädlingen befreit werden können. Dazu wird eine externe Einheit von Thermo Lignum auf den Hof des Museums gestellt und über Zuluftschläuche wird die kontrollierte Warmluft über den Kellereingang und den Luftschacht direkt in die Sammlungsräume geleitet, der als ganzes auf die benötigte Temperatur bei entsprechender Luftfeuchtigkeit gebracht wird. Als weitere Vorbereitung für den Einsatz dieser Schädlingsbekämpfungsmethode wurden die Sammlungsregale modifiziert, so dass eine Lücke zwischen den einzelnen Insektenkästen entsteht, durch die warme Luft zwischen den einzelnen Kästen zirkulieren kann. Somit wird die Erwärmung aller Sammlungsteile und damit die Bekämpfung des gesamten Befalls gewährleistet.

Mit Kassian Ortner steht ein Vertreter der Firma Thermo Lignum für den letzten Vortrag dieses Schwerpunktes auf dem Programm. Seine Präsentation "Kontrollierte thermische Schädlingsbekämpfung" beleuchtet den Hintergrund und die Vorteile des von Thermo Lignum entwickelten "feuchtegeregeltem Warmluftverfahrens". Nach einer Einführung in die Grundlagen und die Prinzipien dieses in den letzten Jahrzehnten unter Berücksichtigung spezieller konservatorischer Anforderungen der behandelten Objekte entwickelten Systems der Schädlingsbekämpfung wird in mehreren Beispielen von Anwendungen des Systems im Kulturgüterbereich ein Einblick in die verschiedenen Möglichkeiten dieser Technik gegeben. Mit diesem Verfahren wird eine schonende Erhitzung des zu behandelnden Materials unter kontrollierter relativer Luftfeuchtigkeit vorgenommen, so dass Schwundrisse vermieden werden und die Objekte die Behandlung unbeschadet überstehen -- Schadinsekten überleben diese Behandlung jedoch nicht.. Die Einsatzmöglichkeiten umfassen mobile und stationäre Anlagen sowie Gebäudebehandlungen.

Nach weiterer Diskussion dieser Beiträge präsentiert Oliver Colemann (Museum für Naturkunde, Berlin) den Vortrag "HUM – die Kunst des Sammelns". Unter diesem Titel wurde im Frühjahr 2008 in den Sammlungen des Museum für Naturkunde in Berlin eine Theaterproduktion von Julian Klein realisiert (http://www.hum-die-kunst-des-sammelns.de/). Neben umfangreichen Vorarbeiten und Proben wurden an acht Abenden öffentliche Aufführungen angeboten, an denen neben Schauspielern viele Mitarbeiter des Museum für Naturkunde mitwirkten. Der Vortrag zeigt verschiedene Aspekte dieses aufwendigen und erfolgreichen Projektes.

Der Programmpunkt "Verschiedenes" umfasst Ankündigungen von Fernkursen zu Sammlungsspezifischen Themen. Weiterhin wird vorgeschlagen, für das nächste Treffen der AG Kuratoren wieder einen Themenschwerpunkt zu bearbeiten – zur Notfallplanung an Museen, was allgemeine Zustimmung findet. In diesem Zusammenhang wird auf die turnusgemäße Überprüfung der Notfallplanung an vielen Nordamerikanischen Museen am "Mayday" hingewiesen.

Das Kuratorentreffen 2007 fand unter der Leitung von Marion Kotrba unmittelbar vor der GfBS Jahrestagung am 20. Februar 2007 mit insgesamt 47 Teilnehmern im Naturhistorischen Museum Wien statt. Für die Einladung nach Wien möchten wir uns herzlich bei den Kollegen Ulrike Aspöck und Helmut Sattmann bedanken. Einige Fotos vom Kuratorentreffen sind im Internet unter http://www.nhm-wien.ac.at/NHM/3Zoo/gfbs/ zu sehen (Fotos 1-8).

Am Vormittag wurden Führungen durch die Sammlungen angeboten, die nach einer allgemeinen Einführung durch Verena Stagl in drei Gruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten durchgeführt wurde. Die Schwerpunkte waren die Sammlungen Fische und Herpetologie (geführt von Ernst Mikschi, Franz Tiedemann und Heinz Grillitsch), die Sammlungen Käfer und Botanik (geführt von Heinrich Schönmann und Ernst Vitek) sowie die Sammlungen Anthropologie und Säugetiere (geführt von Maria Teschler-Nicola und Barbara Herzig). Neben einem Einblick in die Sammlungsräume und ausgewählten Sammlungsexemplaren gab es die Gelegenheit, den modernen Tiefspeicher des Museums zu besichtigen.

Das Nachmittagsprogramm fing mit einem Vortrag von Robert Huxley (Museum of Natural History, London) zu einem Teilprojekt des EU Programms SYNTHESYS (www.synthesys.info) an, das sich mit Mindeststandards für Sammlungen und Sammlungsmanagement befasst.

Der Schwerpunkt der Vorträge des Kuratorentreffens lag auf der Thematik der Alkoholsammlungen mit ihren speziellen Anforderungen. Dieser beinhaltete einen umfassenden Überblicksvortrag von Daniel Burckhardt und Marion Kotrba (Naturhistorisches Museum Basel bzw. Zoologische Staatssammlung München) mit speziellen Ausführungen über Alkoholkonservierung und Alternativen, Vergällung, geeigneten Gläsern, Etiketten etc. Diesem Bericht folgte ein Vortrag über die Planung eines neuen Alkoholmagazins im wiederaufgebauten Ostflügel des Berliner Naturkundemuseums von Carsten Lüter (Museum für Naturkunde, Berlin). Hier wurde Einblick in die Planungen gegeben und die Anforderungen erläutert. Markus Thiem (Fa. Anton Paar GmbH, Anton-Paar-Str. 20, A-8054 Graz, Tel. +43 (0)316 257 180, markus.thiem@anton-paar.com.) stellte das Dichtemessgerät DMA 35N zur Messung von Alkoholkonzentrationen vor, das auch in einer MEK resistenten Version angeboten wird. Der im Programm angekündigte Vortrag von Peter Giere (Museum für Naturkunde, Berlin) zur Embryologischen Sammlung in Berlin wurde abgesagt.

Eindrücklich hat Ernst Vitek (Naturhistorisches Museum Wien) den erfolgreichen Einsatz vieler Ehrenamtlicher Kräfte in der Botanischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien aus der Praxis geschildert und zur Nachahmung empfohlen.

Für die Wahl des neuen Sprechers der AG Kuratoren (Marion Kotrba stand für diese Aufgabe nicht mehr zur Verfügung) kandidierte Peter Giere (Museum für Naturkunde, Berlin). Seine Wahl erfolgte mit 14 Stimmen bei keiner Gegenstimme und einer Enthaltung. Der Stellvertreter Michael Schmitt (Museum Alexander Koenig, Bonn) wurde in seinem Amt bestätigt. Marion Kotrba sei an dieser Stelle noch einmal herzlich für Ihren großen und vielfältigen Einsatz für die Belange der Sammlungen und ihrer Betreuer innerhalb der GfBS gedankt.

Abschließend wurde von Marion Kotrba der Testzugang zur Neuen Website von ZEFOD (http://www.genres.de/CF/zefod/index.cfm) vorgestellt und in einem Vergleich mit der alten Struktur die Vorzüge des neuen Design hervorgehoben.

Peter Giere, Berlin

Ausführlicher Bericht des 9. Kuratorentreffens in Wien

Das diesjährige Treffen der AG Kuratoren fand am 13. 9. 2005 am Naturhistorischen Museum Basel statt, also unmittelbar vor der Jahrestagung der GfBS. Es waren 31 Teilnehmer anwesend. Die Leitung hatte M. Kotrba. Für die freundliche Unterstützung bei der Organisation vor Ort sei Daniel Burckhardt (Basel) und Roland Mühltaler (Basel) herzlich gedankt.

Das Programm umfasste vormittags eine Führung in die Sammlungen des Naturhistorischen Museum mit R. Mühltaler. Nachmittags standen vor allem die Themen „Abgabe von Sammlungsgut“ und „Wertschätzung/Monetarisierung von Sammlungen“ (erneut) auf der Tagesordnung.

1.1. Abgabe von Sammlungsgut und Wertschätzung von Sammlungen (Monetarisierung)

1.1.1. Kurze Diskussion des Stellungspapieres der DNFS zum Thema

Von den Vorständen des Deutschen Museumsbundes und des ICOM-Deutschland wurde im September 2004 gemeinsam ein Positionspapier zur Problematik der Abgabe von Sammlungsgut verabschiedet. Dieses Papier ist eine spezifische deutsche Fortentwicklung entsprechender Vorgaben von ICOM (ICOM code of ethics for museums, Seiten 9–10) die unter http://icom.museum/ethics.html zu finden sind. Im Juni 2005 schickte die DNFS hierzu ein Stellungspapier an den Präsidenten der DMB Prof. Eissenhauer, mit der Bitte, den Kode entsprechend anzupassen. Von diesem Stellungspapier der DNFS, das auf ausdrücklichen Wunsch von Prof. Steininger und Prof. Eder kurz vor dem Kuratorentreffen an die AG verschickt worden war, und auch kurzzeitig auf der AG Kuratoren-Homepage abrufbar war, lagen während des Kuratorentreffens Kopien aus. Der Inhalt wurde kurz andiskutiert.

Der Ansicht, das DNFS-Papier bräuchte man gar nicht zu diskutieren, wurde entgegengehalten, daß die AG doch dazu Stellung nehmen sollte, da die Vorschläge der DNFS sonst möglicherweise über den Präsidenten des Museumsbundes in eine deutsche Version der ICOM-Regeln eingebracht würden.

Michael Schmitt (Bonn) informierte uns, dass unabhängig von der DNFS Stellungnahme am Museum Alexander König das ICOM-Papier fortentwickelt wird, um dann mit Änderungen als Richtlinie im Museum zu dienen. Die AG Kuratoren bat M. Schmidt um Weitergabe der erarbeiteten Richtlinie an die AG.

1.1.2. Bericht von Thomas Kirnbauer zum Sammlungsverkauf am Naturmuseum Senckenberg.

Als „Überraschungsgast“ war Thomas Kirnbauer (Bochum) anwesend, der über den Verkauf von Teilen der mineralogischen Sammlung des Naturmuseum Senckenberg berichtete und seine Ausführungen mit aufschlußreichen Dias belegte. Er hatte Mitte letzten Jahres einen Artikel zu diesem Thema in der Zeitschrift „Aufschluß“ veröffentlicht (PDF, 1,8 MB). Zu den Vorgängen ist bereits ausgiebig und weitgehend einhellig von verschiedensten Seiten Stellung genommen worden, wobei insbesondere die Vorgehensweise kritisiert wurde. Dem entsprach auch die allgemeine Reaktion aus dem Kreis der Anwesenden.

1.1.3. Diskussion zu den beiden Stellungspapieren der AG Kuratoren zu Thema Wertschätzung/Monetarisierung

Auf dem Treffen in Stuttgart 2004 hatte die AG Kuratoren sich darauf verständigt, den sehr unterschiedlichen Standpunkten zum kontroversen Thema „Monetarisierung“ zunächst dadurch gerecht zu werden, dass parallel an zwei Papieren gearbeitet wird:

(1) Gefahren der Monetarisierung von naturwissenschaftlichem Sammlungsgut (M. Apel, R. Güsten, A. Hausmann, A. Staniczek, M. Thiv, M. Steinhof)

(2) Einschätzung des Geldwertes von Sammlungen und Belegstücken (M. Kotrba, J. Spelda, M. Baehr, A. Hausmann, J. Jungbluth)

Hierzu hatten die beiden Gruppen schriftliche Vorlagen erarbeitet, die als Kopien ausgeteilt und von den beteiligten Autoren Robert Güsten (Darmstadt) und M. Kotrba kurz vorgestellt wurden. Es wurde beschlossen, die Vorlagen in der AG Kuratoren kursieren zu lassen und im laufenden Jahr unter Berücksichtigung eingehender Kommentare weiter zu bearbeiten. Zu diesem Zweck wollen sich die beteiligten Autoren zwischenzeitlich treffen.

Die beiden Papiere stellen Gegenpositionen innerhalb der AG dar, zwischen denen derzeit noch kein Konsens zu finden ist. Da sich aber gezeigt hat, dass es zwischen beiden Themen trotz aller Gegensätzlichkeit auch Überschneidungen gibt, soll außerdem der Versuch einer Zusammenführung unternommen werden.

Die resultierenden Dokumente sollen dann zunächst als Positionspapier der beteiligten Verfasser auf der homepage der AG Kuratoren verfügbar gemacht werden, mit dem Hinweis „eine offizielle Stellungnahme folgt“. Sie könnten gegebenenfalls auf dem nächsten Treffen der AG verabschiedet werden.

1.1.4. Weitere Anmerkungen und zu diskutierende Fragen zum Thema:

Kann die Monetarisierungsdebatte generell ursächlich an der Zunahme von Sammlungsverkäufen schuld sein?
Inwieweit werden Kommunen steuerpflichtig (Vermögenssteuer) wenn Wertangaben für die Objekte vorliegen?
Wie wird die Inventarisierung von Neuzugängen gehandhabt? Wann geschieht der Besitzübergang? Wie sind die juristischen Hintergründe hierzu? Belegmaterial von Dr./Diplom-Arbeiten muss 10 Jahre aufgehoben werden.

1.2. Möglichkeiten einer Kooperation mit der Fachgruppe Naturwissenschaftliche Museen im Deutschen Museumsbund

Die Sprecherin der Fachgruppe Naturwissenschaftliche Museen im Deutschen Museumsbund Ulrike Stottrop (Essen) war freundlicherweise angereist um die Fachgruppe vorzustellen und mit uns über die Möglichkeiten einer zukünftigen Kollaboration zu sprechen. Informationen über die Fachgruppe finden sich auf der entsprechenden homepage unter http://www.museumsbund.de/cms/index.php?id=193&L=0

Die Möglichkeiten zur Kooperation wurden in beiden Gruppen positiv gesehen. Hier bieten sich beispielsweise an:

Links zur Webpage der anderen (wurde auf unserer Startseite installiert)
Ankündigung von Terminen der anderen
Rundmails von allg. Interesse auch an den Verteiler der anderen
Wechselseitiger Input zu Positionspapieren, bzw. wechselseitige offizielle Unterstützung von Anträgen, Memoranden etc.
Gemeinsame Arbeitsgruppen/Projekte/Workshops
Abgesprochene Schwerpunktbildungen auf Tagungen
Die AG Kuratoren der GfBS wurde inzwischen im Gegenzug durch M. Kotrba im Oktober auf der Fachgruppensitzung in Halberstadt vorgestellt).

1.3. Nächste Tagung

Das nächste Treffen der AG Kuratoren findet anläßlich der nächsten GfBS-Tagung, also voraussichtlich in der Woche vom 19.2. bis 25.2. 2007, in Wien statt.

1.4. Sprecherwahl

Bei der abschließenden Sprecherwahl wurden Marion Kotrba (München, 1. Sprecher) und Michael Schmitt (Bonn, 2. Sprecher) einstimmig gewählt. Dem bisherigen 2. Sprecher Matthias Nuß sei an dieser Stelle herzlich für sein Engagement gedankt.

Bericht bearbeit von P. Michalik

Das Treffen fand am 17. 9. 2004 im Naturkundemuseum am Löwentor, Stuttgart, statt. Mit 43 Teilnehmern war es diesmal besonders gut besucht. Die Leitung hatte Marion Kotrba. Für die freundliche Unterstützung bei der Organisation vor Ort danken wir Frau Eder, Fabian Haas, Frau Mangold, und Tobias Wilhelm.

Das Programm umfasste mehrere Vorträge, zwei Diskussionsblöcke, und Führungen in die botanische und die entomologische Sammlung.

Vorträge: Berichte, Fallbeispiele, Stellungnahmen

Johanna Eder (Direktorin am Naturkundemuseum Stuttgart): Stellungnahme zum Thema Monetarisierung in Museen.

Michael Apel & Fritz Geller-Grimm (Museum Wiesbaden): Monetarisierung an den Museen Wiesbaden und Darmstadt.

Daniel Burckhardt (Naturhistorisches Museum Basel): Monetarisierung – Erfahrungen aus Basel und der übrigen Schweiz.

Axel Hausmann (Zoologische Staatssammlung München): Monetarisierung – Erfahrungswerte aus der Entomologie.

Monika Steinhof (Überseemuseum Bremen): Monetarisierung von Botanischen Sammlungen.

Vollrath Wiese & Ira Richling (Haus der Natur Cismar): Monetarisierung – Erfahrungswerte aus der Malakologie.

In den Vorträgen wurden konkrete Rechenbeispiele zur Sammlungsbewertung vorgestellt. Entgegen der bisherigen Praxis können hier leider keine Manuskripte oder Abstracts ins Netz gestellt werden, da von verschiedenen Seiten her ausdrücklich vor der Verfügbarmachung jeglichen Zahlenmaterials gewarnt wurde.

Diskussion

Die Diskussion war in ihrer Gesamtheit ausgesprochen kontrovers. Die Beiträge ließen sich im wesentlichen zwei Fragestellungen zuordnen, zu denen am Ende konkrete Projekte formuliert wurden. Diese sollen jetzt in kleineren Arbeitsgruppen bearbeitet und auf dem nächsten Kuratorentreffen präsentiert und diskutiert werden.

1) Wie stehen die Kuratoren generell zur Monetarisierung (Geldwertschätzung) von naturwissenschaftlichen Sammlungen:

Die Mehrheit der anwesenden Kuratoren lehnte eine Monetarisierung ab. Es bestand Einigkeit darüber, dass der wissenschaftliche, ethische, historische und auch kulturelle Wertbestand naturwissenschaftlicher Sammlungen prinzipiell unschätzbar ist und weit über jeglichen monetären Wert hinausgeht. Es wurde angeregt und mehrheitlich beschlossen, ein Positionspapier gegen Sammlungs-Monetarisierung zu verfassen (Projekt 1). Einige wiesen aber auch darauf hin, dass der Geldwert von Sammlungen als wertvolles Argument dienen könne, beispielsweise wenn es um die Beantragung von Mitteln zum Sammlungserhalt geht. Da die Entscheidung über Monetarisierung von Sammlungen im größeren Rahmen, letztendlich nur auf Direktorenebene gefällt werden kann, wird eine entsprechende Anfrage an die Direktoren ergehen (Projekt 2).

2) Sollten (bzw. dürfen) die Kuratoren sich jetzt, abgesehen von ihrer Meinung zur Monetarisierung, mit der pragmatischen Seite von Sammlungsmonetarisierung auseinandersetzen und hierzu auch konkrete Faustregeln/Richtwerte erarbeiten?

Trotz der unter Aspekt 1) geäußerten Bedenken gab es Kuratoren, die sich in dieser Richtung besser vorbereitet wissen möchten, und sich deshalb konkreter mit diesem Thema auseinandersetzen, bzw. es mit Kollegen diskutieren möchten. Hierzu wurde eine zweite Arbeitsgruppe gebildet (Projekt 4). Es wurde festgestellt, dass die juristischen Aspekte des Verkaufs von Museumssammlungen in unserem Kreise weitgehend unbekannt sind und geklärt werden sollten (Projekt 3).

Projekte

1) Erarbeitung eines Stellungspapiers gegen Monetarisierung.

2) Entsendung einer Bitte an die Direktoren (DNFS und andere), auf ihrer Ebene zu klären, inwieweit die Monetarisierung von Sammlungen abzulehnen oder aber voranzutreiben ist.

3) Klärung der juristische Situation bei Sammlungsverkäufen – Kulturgutschutzgesetz etc.

4) Erstellen eines Kataloges von Kriterien die bei der Bewertung von Sammlungen beachtet werden sollten. Vergleichende Zusammenstellung der bisherigen Erfahrungen und Erarbeitung inoffizieller Empfehlungen mit pragmatische Faustregeln und Pauschalwerten.

Interessenten, die sich an den Projektgruppen beteiligen oder Informationen beisteuern wollen, wenden sich bitte an mich unter Marion.Kotrbazsm.mwn.de .

Zahlreiche Informationen zu Sammlungsbewertung und verwandten Themen finden sich in der Literatursammlung (pdf, 48 kB)

Führungen

Mike Thiv (Naturkundemuseum Stuttgart, Kurator, Botanik) führte in eines von zwei übereinanderliegenden Magazinen die das Herbar enthalten.

Die Magazine sind komplett unterirdisch. Die etwa 1 Mio Herbarbelege lagern in farbkodierten Pappmappen in geschlossenen Metallschränken, die in einer modernen Kompaktoranlage zusammengefasst sind. Alles ist in einer Hauptsammlung aufgestellt, wobei Typenmaterial gesondert untergebracht ist. Die Magazine werden mit Klebefallen auf Schädlinge (Staubläuse etc.) überwacht. Neuzugänge und Rücksendungen werden vor dem einordnen eingefroren.

Wolfgang Schawaller (Naturkundemuseum Stuttgart, Leiter der Entomolgie) zeigte die entomologische Sammlung. Es handelt sich um ein sehr großes, unterirdisches Magazin. Der Bestand wird auf ca. 4–6 Mio Exemplare geschätzt, die in weit übermannshohen Regalen mit Insektenkästen untergebracht sind. Das Magazin war vor 15 Jahren ausreichend, ist aber schon jetzt an bis seine Grenzen ausgelastet. Eine Kompaktoranlage wäre hier keine Lösung, da man dabei an Höhe verlieren würde. Die Sammlung ist mit Nexalotte begiftet.

Diverse Diskussionsbeiträge zu Sammlungswesen

Einfrieren zur Schädlingsbekämpfung sollte immer zwei mal im Abstand von 2 Wochen durchgeführt werden. Einmal allein genügt nicht. Nach dem ersten Einfrieren schlüpfen die Larven, die dann durch das 2. Einfrieren abgetötet werden. Eine alternative Bekämpfung mit Stickstoff dauert mindestens 4 Wochen.

In Bremen wird seit Jahren Lavendel mit Erfolg eingesetzt (Repellentwirkung).

Bei Repatriierungsforderungen anderer Länder kann eventuell die bisherige Aufbewahrung und wissenschaftliche Bearbeitung in Rechnung gestellt werden. Eine Alternative ist die virtuelle Repatriierung von Belegdaten und -fotos.

Sammlungszuwächse gibt es besonders dort, wo aktive Kuratoren eingestellt sind. Hingegen gibt es kaum Zuwächse wo kein Kurator vorhanden ist.

Weitere Informationen und Pläne

Wie schon in den vergangenen Jahren läuft die Kommunikation der AG Kuratoren über unsere Website in der GfBS Homepage und über einen email-Verteiler der zurzeit 278 Adressen umfasst, zunehmend auch in der Schweiz und in Österreich. Ich bitte darum, mir die email-Adressen weiterer Interessenten zukommen zu lassen. Für die kompetente technische Betreuung unserer Website sei Andreas Maas sehr herzlich gedankt.

Treffen der AG Kuratoren 2005 und 2007

Das nächste Treffen der AG Kuratoren findet in Basel am 16.09.2005 im direkten Anschluß an die GfBS Jahrestagung statt, das übernächste Treffen in Wien Ende Februar 2007. Gibt es, abgesehen von der Fortführung des Themas „Monetarisierung“ (siehe oben) Themenvorschläge für diese Treffen?

Auf meiner Liste stehen noch folgende Themen

  • Sammelgenehmigungen für Kuratoren
  • Gezielter Sammlungsausbau
  • Vorbereitung von Belegmaterial zur Hinterlegung in Museen
  • Elektronische Journals und digitale Bibliotheken. Wie verträgt sich die Museumsethik mit dem digitalen Zeitalter
  • Gibt es Präferenzen?
  • Außerdem wird nächstes Jahr wieder eine Sprecherwahl auf der Tagesordnung stehen.

Workshops

Es besteht die Möglichkeit mit Unterstützung der GfBS spezifische Workshops zu veranstalten. Hierzu wurden am Rande unseres Treffens zwei Themen vorgeschlagen:

– PR-Schulung für Kuratoren (moderne Öffentlichkeitsarbeit, etc.):

Gibt es hierzu konkrete Vorschläge oder Empfehlungen? Wer würde sich für so eine Schulung interessieren?

– „Hands-on“ workshop zu Sammlungsdatenbanken:

Hierzu habe ich bereits ein Angebot von Frau Triebel (Botanische Staatssammlung München). Räumlichkeiten und eine superschnelle Netzleitung werden zur Verfügung gestellt. Auf parallelen Rechnern könnten beispielsweise die Datenbanken „Specify“, „Diversity Collection“, und „Systax“ vorgestellt werden. Gibt es hierzu weitere Vorschläge oder Empfehlungen? Wer würde sich für so ein Workshop interessieren?

Ehrungen

Herr Dr. Jungbluth wies darauf hin, daß in den vergangenen Jahren zwei herausragende Persönlichkeiten, die sich unter anderem ganz besonders um die Museologie und das Sammlungswesen verdient gemacht hatten, mit hohen Ehrungen ausgezeichnet wurden. Schon im November 1999 war Dr. Dietrich von Knorre das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen worden. Am 2. 12. 2003 erhielt Dr. Hildegard Zeissler das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Beiden sei an dieser Stelle noch einmal nachträglich im Namen der AG Kuratoren herzlichst gratuliert.

GfBS (Gesellschaft für Biologische Systematik)

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die AG Kuratoren eine Arbeitsgruppe der GfBS (Gesellschaft für Biologische Systematik) ist. Die GfBS setzt sich nach besten Kräften für die Belange der Systematiker ein, also auch für uns. Ich möchte es allen Kuratoren immer wieder ans Herz legen, ihrerseits die GfBS durch ihren Beitritt zu unterstützen.

Bericht: Marion Kotrba / bearbeitet von: P. Michalik

ZEFOD ist ein im Internet frei zugängliches Informationssystem zu zoologischen und botanischen Sammlungen. Dabei geht es sowohl um Tot- als auch um Lebendsammlungen, die an Museen und Universitäten sowie an Zoologischen und Botanischen Gärten zu finden sind. In diesem Vortrag werde ich mich auf die zoologischen Sammlungen an Museen und Universitäten beschränken.

Inhalt:

Neben administrativen Angaben wie Leitung und Kommunikationsadressen beinhaltet ZEFOD eine strukturelle und inhaltliche Beschreibung und Charakterisierung der biologischen Forschungssammlungen Deutschlands.

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem BMBF, im Rahmen des Forschungsschwerpunktes „Biodiversität und globaler Wandel", kurz BIOLOG finanziert und lief drei Jahre bis Ende April diesen Jahres. Um die verschiedenen Fachgebiete abzudecken, gibt es drei Kooperationspartner: das Museum Koenig für die zoologische Seite, das Botanische Institut und Botanischer Garten der Universität Bonn für die botanische Seite und die Zentralstelle für Agrardokumentation und -information, die ZADI, für die datentechnische Seite.

Die Zahlen, die ich Ihnen jetzt präsentieren werde, beziehen sich nur auf die bis Ende der Projektlaufzeit, also Ende April diesen Jahres, eingegangenen Daten. Danach sind noch ein paar Daten eingegangen, die in der Auswertung nicht berücksichtigt wurden.

Rücklauf:

Die Daten wurden anhand von Erfassungsbögen erfasst, die an 239 Institutionen geschickt wurden. Der Rücklauf betrug bis Ende April 92 %. Allerdings haben 98 Institute gar keine Sammlung im Sinne von ZEFOD. Wenn man diese Institute abzieht, bleiben 141 ZEFOD-relevante Institutionen. Von diesen nehmen 7 Institutionen zum jetzigen Zeitpunkt nicht an ZEFOD teil, während 115 Institutionen den Erfassungsbogen für insgesamt 266 Sammlungen ausgefüllt haben. Die restlichen Institutionen hatten eine Teilnahme zugesagt, aber den Bogen bis Ende April nicht zurückgesandt.

Quantitative Angaben:

In ZEFOD wurden insgesamt 2,2 Mio Wirbeltiere angegeben, wovon die Vögel mit 0,8 Mio. den Hauptanteil stellen, gefolgt von den Säugetieren mit 0,4 Mio. Mindestens 14.000 der Exemplare sind Typen. Diese Zahl dürfte aber weitaus höher liegen, da in einigen Fällen nur die Zahl der primären Typen angegeben wurde, weil die Zahl der sekundären Typen unbekannt ist.

Insgesamt wurde für die wirbellosen Tiere eine Anzahl von 78,9 Mio. Sammlungseinheiten (Exemplare, Proben, 'lots') angegeben, worin die Insekten mit 64,7 Mio. den größten Anteil haben, gefolgt von den Mollusken mit 6,0 Mio und den Arachnida mit 1,3 Millionen

Innerhalb der Insekten stehen die Lepidoptera mit 19,3 Mio. Sammlungseinheiten an erster Stelle, gefolgt von den Coleoptera mit 17,5 Mio. und den Hymenoptera mit 7,3 Mio. Sammlungseinheiten. Insgesamt wurden 490.000 Typen gemeldet, wovon etwa 25 % auf die Primärtypen (z. B. Holotypen) entfallen. 90 % der Typen gehören zu den Insekten. Allein die Käfer sind mit 160.000 Typen vertreten und die Schmetterlinge mit 154.000.

Bisher habe ich Ihnen nur ZEFOD-Daten vorgestellt, interessant ist jedoch natürlich besonders die Frage, wieviele Tiere in allen deutschen Sammlungen gemeinsam vorhanden sind. Dazu habe ich für Institutionen, von denen keine ZEFOD-Daten vorlagen, Zahlen aus einem Bericht der Direktorenkonferenz Naturwissenschaftlicher Forschungssammlungen in Deutschland oder aus den jeweiligen Internetseiten entnommen.

Insgesamt sind in deutschen Sammlungen etwa 3,2 Mio. Wirbeltierexemplare vorhanden. Spitzenreiter bei der Anzahl der angegebenen Exemplare sind im Bereich der Wirbeltiere das Forschungsinstitut und Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt und das Museum für Naturkunde in Berlin mit jeweils mehr als 600.000 Exemplaren.

Im Bereich der Wirbellosen sind in deutschen Sammlungen insgesamt mindestens 84 Mio. Sammlungseinheiten vorhanden. Spitzenreiter ist das Museum für Naturkunde in Berlin mit fast 20 Mio. Sammlungseinheiten.

Die zehn größten Institutionen beherbergen etwa 90 % aller Sammlungseinheiten. Die Bedeutung der kleineren Institutionen – auch der sehr kleinen – sollte aber nicht unterschätzt werden, da sie durch die regionale Schwerpunktbildung einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation der aktuellen und historischen Verbreitung der Arten in Deutschland stellen.

Betreuung:

Zurück zu den reinen ZEFOD-Daten. Der Umfang der Sammlungen reicht von wenigen Tieren bis zu mehreren Millionen Sammlungseinheiten. Im Bereich der Wirbeltiere haben 5 Institutionen mehr als 100.000 Exemplare angegeben und für diese Sammlungen sind jeweils 3–6 wissenschaftliche Betreuer und 3-5 technische Assistenten zuständig, die jeweils für die meistbesammelten Hauptgebiete Ornithologie, Theriologie, Herpetologie und Ichthyologie zuständig sind. In den restlichen Sammlungen ist mit einer Ausnahme jeweils maximal 1 wissenschaftlicher Betreuer und 1 technischer Assistent für alle Wirbeltiere zuständig.

Im Bereich der Wirbellosen haben 3 Institutionen mehr als 10 Mio. Sammlungseinheiten angegeben und für diese Sammlungen sind jeweils 7–12 wissenschaftliche Betreuer und 5–13 technische Assistenten zuständig. 8 Institutionen haben 1–9 Mio. Sammlungseinheiten, für die jeweils bis zu 6 wissenschaftliche Betreuer und bis zu 5 technische Assistenten zuständig sind. Für die restlichen Sammlungen sind jeweils maximal 1 wissenschaftlicher Betreuer und 1 technischer Assistent zuständig.

Gerade bei den kleineren Sammlungen gibt es natürlich eine Überschneidung zwischen den beiden Tabellen, wenn eine Person für die gesamte zoologische Sammlung zuständig ist. Bei diesen Zahlen muss man Bedenken, dass die wissenschaftlichen Betreuer in den meisten Fällen nur einen geringen Teil ihrer Zeit mit kustodialen Tätigkeiten verbringen, da Sie ebenfalls für Lehre, Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltungsaufgaben etc. zuständig sind.

Insgesamt wurden im Sammlungsbereich 141 Kuratoren und 115 technische Kräfte angegeben.

Dokumentation:

Der Erfassungsstand der zoologischen Sammlungen ist sehr unterschiedlich. In 142 Sammlungen, also mehr als der Hälfte der Sammlungen, wurde mit der digitalen Erfassung der Bestände begonnen. 59 dieser Sammlungen sind zu mehr als 50 % digitalisiert und davon 30 Sammlungen zu mehr als 90 %. Für Karteien sieht das Bild ähnlich aus, Kataloge gibt es etwas weniger. Insgesamt sind 75 Sammlungen, also fast 30 %, in irgendeiner Form zu 100 % erfasst, während mindestens 25 Sammlungen höchstens zu 10 % erfasst sind.

Insgesamt sind 7,5 % der Wirbeltiere und 1,5 % der Wirbellosen in deutschen Sammlungen EDV-erfasst.

Zustand:

Der Zustand der Sammlungsobjekte, z. B. hinsichtlich Schädlingsfraß, ist recht gut. 51 % der Sammlungen sind in gutem Zustand, 34 % gut mit Einschränkungen und bei 4 % (10 Sammlungen) wurde ein eindeutig schlechter Zustand angegeben. Hauptprobleme sind Alkoholverdunstung und Schädlingsbefall.

Unterbringung:

Bei der Unterbringung sieht es nicht so gut aus. Bei mehr als einem Drittel der Sammlungen gibt es Mängel und Nachrüstungsbedarf bei der Unterbringung. Diese betreffen vor allen Dingen Platzmangel und mangelhafte Schränke, aber auch veraltete/undichte Gläser und Insektenkästen, provisorische Unterbringung, Lichteinfall usw. Nur 85 % der Sammlungen ist vor Tageslicht geschützt, 34 % temperatur- und luftfeuchtestabilisiert und 38 % in hermetisch abgeschlossenen, schädlingssicheren Systemen untergebracht. Diese Mängel betreffen nicht nur kleine Sammlungen, sondern gehen quer über das Sammlungsträgerprofil. Dies ist ein gefährlicher Zustand, der behoben werden sollte.

Entwicklung

Insgesamt sind 54 % der Sammlungen im Ausbau, 37 % werden erhalten und 2 % sind ohne Betreuung. Allerdings wird natürlich für die nicht betreuten Sammlungen oft kein Erfassungsbogen ausgefüllt.

Langfristiger Erhalt:

Der langfristige Erhalt der Sammlung ist in den meisten Fällen gegeben, allerdings haben doch recht viele Sammlungsbetreuer Bedenken: bei 11 % der Sammlungen ist der Erhalt teilweise gegeben und bei 6 % fraglich. Diejenigen, bei denen der Erhalt der Sammlung gerade akut bedroht ist, das ist hier eine Sammlung, haben in der Regel den Erfassungsbogen gar nicht ausgefüllt. Ich weiß von 5 weiteren Institutionen, die den Bogen aus diesem Grund nicht ausgefüllt haben.

Zusammenfassung:

Die hier vorgezeigten Daten zeigen die Bedeutung aber auch die Gefährdung der deutschen zoologischen Sammlungen auf. Sowohl die Zahl der Exemplare, als auch die Zahl der Arten und der Typen in deutschen Sammlungen braucht den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Die nationale englische Sammlung am Natural History Museum in London beherbergt beispielsweise mehr als 650.000 Typen, während in Deutschland mehr als 500.000 Typen aufbewahrt werden. Umso bedenklicher ist es daher, dass es bei der Unterbringung der Sammlungen hierzulande in vielen Fällen – und zwar auch bei großen Institutionen – Mängel gibt, die den Bestand auf Dauer gefährden. Auch die personelle Situation der Sammlungen ist schwierig, da in den letzten Jahren Stellen abgebaut wurden und auch für die Zukunft keine Verbesserung der Lage in Sicht ist. Wenn im ZEFOD-Durchschnitt ein/e Kurator/in und eine technische Kraft zusammen für mehr als eine Million Wirbellose zuständig sind und der/die Kurator/in nebenher auch noch für diverse andere Aufgaben wie Öffentlichkeitsarbeit, Verwaltung und Lehre zuständig ist, dann beschränkt sich die Arbeit an der Sammlung naturgemäß auf die dringlichste Aufgabe der Schadensbegrenzung (z. B. Schädlingsbekämpfung), während Erschließungsmaßnahmen wie Bestimmung und Bearbeitung des Materials zurückstehen, und eine digitale Erfassung oft gar nicht erst in Angriff genommen werden kann. Besonders kritisch ist die Lage bei 4 % aller ZEFOD-relevanten Institutionen (6 Institutionen), bei denen der Erhalt der zoologischen Sammlungen akut bedroht ist. Selbst wenn dieses Material endgültig an andere Museen abgegeben werden sollte, so wird es dennoch wahrscheinlich über viele Jahre hinweg nicht zugänglich sein

Wie geht es weiter:

Das Online-ZEFOD-Informationssystem wird weiter optimiert und die Ergebnisse publiziert. ZEFOD soll in Zukunft den deutschen Knoten für BioCASE (Biodiversity Collection Access Service for Europe), das europäische Sammlungsinformationssystem stellen. Die Daten können dann später online und in Eigenverantwortung durch den Sammlungshalter aktualisiert und ergänzt werden. Zum Abschluss möchte ich allen danken, die an ZEFOD teilgenommen und einen Erfassungsbogen ausgefüllt haben.

bearbeitet von P. Michalik

Es waren 15 Teilnehmer anwesend. Die Leitung hatte Oliver Coleman.

Vorträge

B. Mohr (Berlin): Über die paläobotanischen Sammlungen und Sammler des Museums für Naturkunde in Berlin.

Berlin besitzt eine der größten Paläobotanischen Sammlungen der Welt mit ca. 180 000 Fossilien und ca. 30 000 rezenten Vergleichsstücken. Neben Gestein enthält sich auch Kohle, und Ausgesiebtes. Geographischer Schwerpunkt der Sammlung ist Mitteleuropa. Allerdings wurde auch viel brasilianisches Material angekauft. Wichtige Namen in der Geschichte der Sammlung sind Ernst Friedrich von Schlotheim, Heinrich und Bernhard Cotta, Henry Potonié, Herr von Richthofen, Prof. Wotan, und zuletzt Prof. Mey, der eine der größten Sammlungen an fossilen Früchten und Samen aufbaute. Außerdem liegt in der Sammlung – zumindest laut dem Naturforscher Goethe – der fossile Beleg für dem Übergang vom Farnkraut zum Kaktus.

Ch. Oberer (Basel): Qualität des neu entwickelten Präparateglases QUALITIGHT.

Herr Oberer berichtete, daß QUALITIGHT Präparategläser aus Borosilikat-Glas und Spezial-Deckel mit großflächiger Dichtung und "Transponder-System" geringste Verluste über lange Zeiträume hinweg garantieren. Das Alkoholmaterial kann über 10 Jahre hinweg ohne jegliche Wartung als sicher gelten. Eine Vergleichsstudie hinsichtlich der Kosten über 100 Jahre hinweg wurde vorgestellt (GIF Bild 110KB). Umfassende Informationen und Publikationen zu dem Thema sind unter http://www.qualitight.com zu finden.

Firmenadresse: Qualitight AG, Hammerstraße 139, CH-4057 Basel, Schweiz, Fax: +41 (0) 61 681 55 43

Verabschiedung des Stellungspapiers "Zum Selbstverständnis von Kuratoren naturkundlicher Sammlungen"

Das Papier wurde in der Version vom 2.4.2001 mehrheitlich verabschiedet. Diese von M. Baehr und M. Kotrba (München) überarbeitete Version war seit längerem in der GfBS homepage einsehbar gewesen und war deutschlandweit intensiv diskutiert worden. Über 60 Stellungnahmen wurden bei der erarbeiteten Endversion berücksichtigt. Die Endversion des Papiers wird wiederum in die GfBS homepage gestellt. Sie wird außerdem an die email Liste der AG Kustoden versendet, sowie an alle anderen, die sich an der Diskussion beteiligt hatten, an die uns bekannten Naturkundlichen Museen, und an die DNFS.

Im Anschluß an die Verabschiedung des Stellungspapiers wurde noch einmal über den potentiellen Stellenwert der universitären Lehre im Aufgabenprofil von Kuratoren diskutiert.

Weitere Diskussionsthemen

R. Jahn (Berlin) stellt das Global Biodiversity Information Facility Projekt GBIF vor. Dabei geht es um eine internationale Anstrengung zur globalen, koordinierten, standardisierten, digitalen, vernetzten, Erfassung von Biodiversitäts-Daten. Informationen dazu finden sich unter http://www.gbif.org/. Für die AG Kustoden ist das akut relevant, weil zumindest für bestimmte Taxa eine digitale Erfassung von Sammlungsmaterial (besonders Typenmaterial) an deutschen Museen beantragt werden soll. Die deutsche Initiative wird von Ch. Häuser (Stuttgart) geleitet.

Ch. Oberer (Basel) gab zahlreiche Informationen über das Museum Basel, insbesondere auch dortige Strategien bezüglich Spendeneinwerbung, und die in Rechnung Stellung von Auskünften der Herausgabe von Sammlungsdaten bei kommerziellen Anfragen.

S. Feist-Burkhardt (London) gab zahlreiche Informationen über das NHM London, insbesondere auch die dortige Handhabung der "bench fees". Diese werden in der Regel nicht erhoben, wenn eine Kollaboration mit einem Mitarbeiter des NHM stattfindet. Bei über Drittmittelprojeke finanzierten Besuchen wird erwartet die bench fees im Antrag berücksichtigt sind. Für eine Besuch des NHM können EU-Gelder beantrage werden. Weitere Informationen finden sich unter
http://www.nhm.ac.uk/science/rco/sysresource/index.htm

Frau Feist-Burkhardt betonte außerdem das viel selbstbewusstere Auftreten der Londoner Kuratoren.

Ch. Oberer (Basel) wies darauf hin, daß schon beim Hinterlegen von wissenschaftlichem Belegmaterial an Museen geklärt werden muß, wie für die Unterbringung und weitere Wartung des Materials gesorgt ist. Es muß auch klar gemacht werden, was für Aufwand und Kosten der Sammlung daraus entstehen. In diesem Zusammenhang wurde auf das folgende Buch hingewiesen:

Nudds & Pettitt 1997: The Value and Valuation of Natural Science Collections.

Des weiteren wies Herr Oberer auf die Möglichkeit hin, in der Presse beispielsweise über Forschungsreisen oder neu beschriebene Arten zu berichten. Hierzu kann man bestimmte Journalisten zu Interviews einladen, die dann selbständig entsprechende Artikel verfassen. Es können auch freiwillige Mitarbeiter für eine derartige Pressearbeit angeworben werden.

Sprecherwahl

O. Coleman (Berlin) kandidierte leider nicht erneut als Sprecher. Ihm sei an dieser Stelle für seine Arbeit und seinen Einsatz für uns alle sehr herzlich gedankt. Die AG wählte als neuen Sprecher M. Kotrba (München). R. Jahn (Berlin) fand sich bereit, weiter als Stellvertreter zu fungieren.

Als Sprecher der AG Kustoden wurde M. Kotrba später auch zum Beisitzer im GfBS Vorstand gewählt.

Nächstes Treffen

Das nächste Treffen der AG Kustoden wird wieder im direkten Zusammenhang mit der GfBS Tagung stattfinden, also im September 2002 in München. Nach bewährtem Muster soll es wieder einige Vorträge und viel Diskussion geben. Vorschläge für Themen sind schon jetzt willkommen.

Sonstiges

Es bietet sich an gemeinsam mit der AG Junge Systematiker ein Flugblatt zu konzipieren, in dem sich die AG Kustoden darstellt.

bearbeitet von P. Michalik

Das Kuratorentreffen stand unter dem Titel "Beschreibung und Erfassung der Ornithologischen Sammlungen. Es waren 33 Teilnehmer anwesend.

R. v. d. Elzen, Bonn: Vorstellung einer neuen Projektgruppe in der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, die sich in der kommenden Woche auf der DOG-Tagung in Leipzig offiziell etabliert. Ziel ist die Erfassung und Verbreitung von Informationen über ornithologische Sammlungen im deutschsprachigen Raum, Anleitung zum Sammlungsmanagement sowie Erfassung wissenschaftlicher Sammlungsinhalte. Kurze Skizze der geplanten Maßnahmen inkl. kurzer Diskussion zu den Problemen (z.B. Fehlbestimmungen in Internet-Veröffentlichungen.).

L. Göbbel, Halle: Geschichtlicher Abriss der Entwicklung, sowie wichtiger Sammlungen und speziellen Sammlungsobjekten und auch zu Biografien bedeutender Anatomen des Halleschen Institutes für Anatomie und Zellbiologie. Sammlung umfasst vor allem osteologische und Naßpräparate. Vorhandensein von Typen nicht bekannt, Informationen darüber schwer zu bekommen.

J. Köhler, Bonn: stellt die Biopat-Initiative vor. Näheres bei http://www.biopat.de . Aufruf an die Taxonomen, neu zu beschreibende Taxa anzubieten, da der Bedarf größer ist als das Angebot.

R. v. d. Elzen, Bonn: Vorstellung der wichtigsten Sammler (z.B. A. König, C.L. Brehm) und wichtigen Vogel-Illustratoren (Keukemans ??), die im Museum König vertreten sind.

Gemeinsame Besichtigung des neuen Tiefspeichers (Verantwortung: G. Mayr) sowie (dann parallel) der Sammlungen der Crustacea (Krebstiere, M. Türkay), Entomologie 1 (v. a. Käfer: D. Kovac), Entomologie 2 (v. a. Schmetterlinge: W. Nässig) und Ornithologie (Vögel: G. Mayr) des Senckenberg-Museums.

Es folgte eine Diskussion zu folgenden weiteren Themen:

H.J. Jungbluth, Mainz: Umgang mit Material aus Begutachtungsverfahren. Diskussion ergibt: Kustoden stehen der Hinterlegung von Belegmaterial prinzipiell positiv gegenüber, Konzepte sind nötig (z.B. Erfassungszentrum oder Zentren vergleichbar mit dem im Marinen Bereich zu schaffenden DZMB), die an die Entscheidungsträger in Politik und Auftraggeber gehen, damit diese eine Handhabe haben, anhand derer es zu konkreten Anweisungen kommen kann. Hr. Jungbluth erklärte sich bereit, sein Ausführungen zu einem solchen ersten Rohkonzept zusammenzustellen. Dies wird er dem Sprecher der Kustodengruppe zuleiten zur weiteren Zirkulation, als Diskussionsgrundlage und eventuellen Beschlussfassung beim nächsten Treffen.

B. Neuhaus, Berlin stellt das Konzept eventueller "Schwarzer Listen" von notorisch säumigen oder "unsicheren" Ausleihern zur Diskussion. v. Knorre, Jena, rät von schwarzen Listen ab; Kotrba, München, regt an, die Ausleihvorgänge einfach transparent ins Internet zu stellen (vielleicht zu arbeitsaufwendig, Stefan Dessler); breiter Konsens war letztlich, in den jeweiligen Fachrichtungen über die "Schwarzen Schafe" zu informieren, damit andere Sammlungen gewarnt sind. Eine Form dafür ist nicht besprochen worden.

S. Dressler, Frankfurt/M. informiert über seine Bemühungen zur Beschaffung von Pheromon-Detektorfallen für museumsrelevante Schädlinge, die existieren sollen (Stegobium paniceum, Lasioderma serricorne, Trogoderma spp., evtl. auch Anthrenus verbasci), die er aber noch nicht beschaffen konnte. Jetzt besteht wieder Aussicht auf Information und Bezugsquelle in Deutschland, sobald verfügbar, meldet er es an den Kustoden-Listserver.

Vorstellung des Buches: "Care and Conservation of Natural History Collections" Carter, D. & Walker, A.K., Oxford etc.: Butterworth-Heinemann. 1999

B. Neuhaus, Berlin, informiert über eine präzisierende Information zu Hrn. Oberers 1999 vorgestellten Präparategläsern. Hr. Jungbluth, Mainz, verweist auf ein soeben eingegangenes Manuskript von Hr. Oberer, das er demnächst auf einem Treffen des Museumsbundes vorstellen wird. Sobald die Publikation in der Naturwiss. Rundschau?? und Der Präparator erschienen sind, wird er die Kustodengruppe darauf hinweisen.

Sprecherwahl

Zur Wahl eines neuen Sprechers: Hr. Ullrich, Grafschaft, bemerkt, dass an O. Colemans Arbeit nichts zu beanstanden sei, er sähe daher keinen Bedarf zur Neuwahl eines Sprechers, nur wenn der jetzige Sprecher wegen das Arbeitsaufwandes mit dieser Tätigkeit nicht mehr zur Verfügung stände, gäbe es Handlungsbedarf. Allgemeine Zustimmung.

bearbeitet von P. Michalik

Im Anschluß an die Jahrestagung der Gesellschaft für Biologische Systematik in Jena fand am 5. September der 2. Kustodentag der Gesellschaft statt. Insgesamt nahmen 32 Kustodinnen und Kustoden sowie der Präsident unserer Gesellschaft an der Tagung teil. Die Vorträge waren sehr interessant und spiegelten verschiedene Aspekte der kustodialen Tätigkeit wider. Im Anschluß an die Vorträge wurde intensiv diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Als Schwerpunkt für den nächsten Kustodentag, der im Anschluß an die Jahrestatagung der Gesellschaft in Frankfurt stattfinden wird, ist eine Diskussion über die Unterbringung von Belegexemplaren gutachterlicher Tätigkeiten in Museen eingeplant.

Hier für diejenigen, die nicht am Kustodentag teilnehmen konnten, die Kurzzusammenfassungen der Vorträge:

D. v. Knorre: Sammlungen und Sammlungserschließung am Phyletischen Museum Jena

Die Grundsteinlegung für das Phyletische Museum in Jena erfolgte 1907 durch Ernst Haeckel. Die heute hier vorhandenen zoologischen und paläontologischen Sammlungen gehen jedoch in ihren Anfängen auf die 1700 in Weimar begonnene, herzogliche Naturalien- und Kunstkammer zurück. Mit dem Ankauf des Walch'schen Naturalienkabinettes 1779 und der Verlagerung aller Naturalien in das Stadtschloss nach Jena beginnt ein bedeutender Aufschwung der Sammlungen, da diese zugleich auch der Lehre dienten. Heute sind alle diese Sammlungen, ergänzt durch die Expeditionsausbeuten von E.Haeckel, R.Semon, L.Plate und J.Harms, im Phyletischen Museum vereint. Mit der systematischen Erfassung und dem Aufbau der wissenschaftlichen Sammlungen konnte nach 1969 begonnen werden. Inzwischen umfasst der auch weitgehend EDV-mässig erschlossene Bestand über 500.000 zoologische und paläontologische Objekte.

M. George: Derzeitiger Status und Entwicklungsperspektiven der ichtylogischen Sammlung des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund.

Im Rahmen dieses Vortrages wurde das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund und seine ichthyologische Sammlung vorgestellt. Es gehört zu den Forschungsmuseen in Deutschland und bewahrt bedeutendes wissenschaftliches Sammlungsgut zu den Themenbereichen Meeresbiologie, Fischerei, Meereskunde und Meeresgeologie. Ein Hauptsammelgebiet sind marine Fische. Zusätzlich zur Ausstellung in Vitrinen sind in Seewasseraquarien mit insgesamt ca. 300.000 l Wasservolumen lebende Fische und andere Meeresorganismen zu beobachten. Die ichthyologische Sammlung besteht aus ca. 2300 Präparaten, die teilweise aber aus mehreren Individuen bestehen, so daß die Gesamtanzahl der Fische in der Sammlung deutlich höher liegt. Die geographische Verteilung - je nach Herkunft der Sammlungsstücke - wurde dargestellt. Den Hauptanteil nahmen die Fische der lokalen Region der Ostsee ein, aber auch Fische aus den ehemaligen Hochseefanggebieten der ehemaligen DDR waren vertreten. Probleme der Konservierung des Sammlungsguts und dessen EDV-Verfügbarkeit wurden angesprochen. Ferner wurde das Sammlungskonzept mit Ausblick vorgestellt.

R. Gaedike: Sammlungsaufstellung, -verwaltung und -erschließung, die Vorstellungen von W. Horn und ihre Verwirklichung im Deutschen Entomologischen Instituts.

Während seines Direktorats am DEI hat W. Horn eine Reihe von Maßnahmen auf dem Gebiet der Sammlungsbeschaffung, -aufstellung und -erschließung eingeführt, denen auch heute noch im wesentlichen gefolgt wird. Es sind das:

  1. Übernahme von Sammlungsmaterial nur dann, wenn eine Erschließung in einem vertretbaren Zeitrahmen möglich ist,
  2. Für jede Insektenordnung nur eine Hauptsammlung, erschlossen durch eine Kartei der Gattungen und Arten, gesonderte Karteien für die Typen,
  3. Unterbringung der Sammlungen in einheitlichem Schrank- und Kastenformat,
  4. Kasten-Numerierung nach Familien, Verwendung verschiedener Farben für die Kennzeichnung der zoogeographischen Regionen.

Die konsequente Verwirklichung dieser Punkte ermöglicht heute einen Übergang zur Sammlungserschließung in Datenbanken mit wesentlich geringerem Zeitaufwand.

C. Oberer: Präparategläser - ein neuer Dichtverschluss löst ein altes Problem.

In Alkoholsammlungen wird viel Arbeitskraft und Geld in das Auffüllen der Sammlungsgläser investiert, weil die meisten der in den Museen verwendeten Gläser nicht optimal schließen. Abhilfe schafft ein neues Verschlusssystem für Sammlungsgläser. Der Verschluss besteht aus Edelstahl, auf den eine Dichtungsmasse aus Spezialelastomer vulkanisiert ist. Mit einem Spannhebel wird die Dichtungsmasse mit einem definierten Anpressdruck auf die Gefäßinnenwand gepresst. Die Verdunstungsverluste des Alkohols sind minimal, das Elastomer hat eine sehr hohe Lebensdauer. Die vorgestellten Sammlungsgläser sind stapelbar.

Informationen erteilt Christoph Oberer, Erzenberstraße 102, CH-4410 Liestal, Schweiz.

B. Neuhaus: Mikroskopische Präparate der Wurmsammlung am Museum für Naturkunde Berlin; Erhaltung und Nutzung.

Die Wurmsammlung beherbergt etwa 15.000 mikroskopische Präparate aus den Plathelminthes, Nemertini, Nemathelminthes, Annelida, Echiura und Sipuncula. Fast 60% der Präparate weist Schäden mit drohendem Informationsverlust oder Konservierungsprobleme auf. Bei Einbettungsmedien wie Berlese, Hoyer’s Mounting Medium, CMCP-10, Polyvinyllactophenol und Aquatex kann es innerhalb weniger Jahre zur Bildung von Kristallen oder Hohlräumen kommen. Gute Langzeiterfahrungen liegen für neutrales Kanadabalsam und Euparal vor. Als dauerelastischer Deckglas-Umrandungslack wird Glyceel empfohlen.

K.H. Lampe: EDV-gestütztes Management entomologischer Sammlungen

Im Zoologischen Forschungsinstitut und Museum A. Koenig in Bonn entwickeln wir seit Jahren ein Konzept der praxisgerechten Computerisierung unserer Sammlungen. Neben der Berücksichtigung des akademischen Anforderungsprofils an die Software wurden besonders solche Plausibilitätskontrollen und Dateneingabehilfen entwickelt und erprobt, die dem Bearbeiter ein direktes, positives 'feedback' geben. Genauso wichtig erwies sich die Erarbeitung von Arbeitsanleitungen und Empfehlungen für eine effektive und qualitativ hochwertige Datenerfassung: Aufeinander folgende, inhaltlich klar voneinander getrennte Arbeitsschritte erhöhen dabei die Akzeptanz und die Vorgehensweise bei der Erschließung der Sammlungen. Mit der damit einhergehenden Anpassung des 'collection managements' an das Vorhaben wurde die digitale Erfassung der Sammlungen in den normalen Arbeitsalltag integriert. Genauso wichtig erwies sich in diesem Zusammenhang die Anpassung unseres 'collection managements' an das Vorhaben.

J. Wussow: Erfassung des Sammlungsbestandes des Museums für Haustierkunde "Julius Kühn" und dessen Präsentation im Internet.

Nach der Vorstellung des Museum mit seinen Sammlungsbeständen, insbesondere des Haustierskelettmaterials, wurde die Präsentation im Internet vorgestellt. Die Homepage des Museums umfaßt zwei Komplexe: Museumsführung und Magazinrecherche. Seit 1994 wird eine computergestützte Datenbank aufgebaut. Mittels eines Recherchekataloges ist somit der verfügbare Bestand (Art, Rasse, Alter, Anzahl ...) abfragbar.

R. Seemann: Was sind uns die Museen wert? Problemdiskussion am Beispiel des Müritz Museums in Waren.

Am Beispiel des Müritz-Museums, des Naturhistorischen Landesmuseums für Mecklenburg-Vorpommern, wurde die besondere Situation von Museen mit kleinerem Sammlungsbestand und akutem Mangel an wissenschaftlichem Personal erläutert. Die besondere Bedeutung von Landes- und Regionalmuseen, die sich ausschließlich mit der Erforschung der heimischen Flora, Fauna und Geologie beschäftigen, wird häufig von zuständigen Verwaltungen unterschätzt. Naturkundliche Belege sind, besonders wenn sie über einen langen Zeitraum gesammelt wurden, wichtige, unwiederbringliche Dokumente zur Landschaftsentstehung und -veränderung. Sie besitzen einen ebenso hohen Stellenwert wie kulturhistorische oder Kunstsammlungen.

D. v. Knorre: Welchen Wert haben naturkundliche Präparate.

Über Jahrzehnte wurden naturkundliche Objekte, da angeblich ja jederzeit ersetzbar, mehr oder weniger gering geschätzt. Diese Tatsache äussert sich in einer häufig unzureichenden Unterbringung sowie einer Verlustrate, die im Durchschnitt zwischen 1 und 5 % liegt. Naturkundliche Objekte sind jedoch Kulturgut im besten Sinn des Wortes, für die vergleichbare Wertparameter zu fordern sind, wie für alle anderen kulturhistorischen Sachzeugen. Daraus resultiert die Notwendigkeit, die vorhandenen Bestände umfassend zu erschliessen, ihnen die erforderliche Pflege angedeihen zu lassen und sie für die nächsten Generationen zu erhalten.

Bericht: C. O. Coleman / bearbeitet von: P. Michalik